Mittwochschnappbrotabend

Mittwochschnappbrotabend

Jeden Mittwochabend sieht das bei uns so aus. Was eigentlich ein absolutes Erziehungsnogo ist, wird bei uns seit bestimmt 10 Jahren erfolgreich praktiziert. Immer Mittwochs nehme ich mir das Recht heraus, meine Kinder mit Schnappbroten und Schnippelobst vor den Fernseher zu setzen. Lege ich normalerweise großen Wert darauf, dass ausschließlich am Tisch gegessen wird, breche ich jeden Mittwoch diese Regel. Lege ich normalerweise großen Wert darauf, dass die Mahlzeiten gemeinsam am gedeckten Tisch eingenommen werden, breche ich jeden Mittwoch diese Regel. Sehe ich normalerweise nicht ein, dass ich meinen Kindern die Butter aufs Brot schmiere, breche ich jeden Mittwoch diese Regel. Und genieße das sehr.

Schon immer kommt der Mann Mittwochs erst gegen kurz vor 8 nach Hause und als das Lottchen und Koppi noch klein waren,  fand ich diese Mittwochabende immer furchtbar. Alleine mit den Kindern in der Küche zu sitzen, sehnsüchtig darauf zu warten, dass die beiden mit dem Essen fertig werden, weil man weiß, dass das ganze Zubettbringzeremoniell noch vor einem liegt und es noch elendig lange scheint, bis man nach einem langen Tag endlich Feierabend hat. Und so bürgerte ich sich der Mittwochschnappbrotabend ein. Ich machte die Brote fertig, verfrachtete die Kinder vor den Fernseher, hatte eine wunderbare halbe Stunde für mich und konnte mir sicher sein, dass es nach dem Sandmännchen auch wirklich ins Bett ging.

So ist es über all’ die Jahre einfach geblieben und noch immer setzen sich die beiden Großen gerne zum Rütti mit auf’s Sofa, schauen Felix, Tom und Sandmännchen und genießen die mundgerechten Brotstückchen und das schludrige Leben. Schaden hat bisher irgendwie niemand daran genommen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Mittwoch, 16. September, 2009 um 19:20 und ist eingeordnet unter Antonmenschen, siehtsoaus. Sie können den Antworten zu diesem Beitrag mit RSS 2.0 Feed folgen. Sie können etwas sagen oder einen Trackback von ihrer Seite setzen.

24 Kommentare zu “Mittwochschnappbrotabend”

  1. ami sagt:

    mal wieder. der hammer. heute abend: auch hier schnappbrotabend. ganz selten, weil gleiche gründe wie du. aber heute: schnappbrotabend – und die kinder waren begeistert! “mama! aber wir sitzen VOR dem FERNSEHEN!?” :)

  2. skizzenblog sagt:

    ahhh…erziehungsdiaspora…schlimschlimschlimm…ich muss sofort wegzäppen hier…und flottchen schnappbrot vor aufgenommenem “24″ schnuffeln.
    (schnappbrot – wie süüüüüssss is das denn?? hab ich ja nochnie gehört, wird hier jetzt auch eingeführt)
    ich glaub hier in der gegend heisst sowas muffelteller ( nicht weils so riecht, sondern wegen der tätigkeit).

  3. ToSiLuHa sagt:

    Ganz ehrlich? Ganz, ganz doll ehrlich?
    Find ich gut.
    (Auch wenn die WaldorfPädagogen rückwärts die Wände hochgehen … ich find’s gut.)

  4. das Miest sagt:

    sehr sympathisch Frau Antonmann

  5. Frau Meise (h) sagt:

    “Schnappbrot” was für ein tolles Wort! Das will ich mir unbedingt versuchen zu merken (“Schnappschnalle” gehört schon zu meinen Lieblingswörtern, kommt aber im Alltag leider so selten vor, obwohl ich eine Tasche mit Schnappschnalle besitze). Und es klingt ja so viel erwachsener als “Babyhäppchen”…

  6. Frau_Mahlzahn sagt:

    Oh ja, solche Abende gibt es bei uns auch, nicht mit dieser Regelmäßigkeit oder als bewußte Ausnahme von der Regel (denn ich bevorzuge sonst die gleichen Regeln wie Sie), aber doch immer mal wieder.

    Muss eben auch mal sein.

    Und wenn ich darf, werde ich den Ausdruck Schnappbrot gleich in unser Vokabular übernehmen, ;-).

    So long,
    Corinna

  7. PE sagt:

    Klasse!!! Solche Ausnahmen sind doch wunderbar. Schnittchen gab`s bei uns früher als ich klein war meistens samstags, wenn alle vor dem Fernseher saßen, um eine der großen Samstagabendshows zu gucken. Frisch gebadet in den Bademantel gekuschelt länger aufbleiben dürfen und lecker Häppchen…das war Glück pur!

    Habe es jetzt auch schon ein paar Mal so gemacht…und auch unsere Kinder finden diese Ausnahme super, weil es sonst nie etwas beim Fernsehen gibt…:O)

    GLG
    PE

  8. dieTauschlade sagt:

    wir hatten nie einen fernseher. aber dienstag abend bekamen wir auch ein brettchen mit ’schnappbrot’ und dann ging es ein stockwerk höher zu den älteren nachbarn (und dadurch sozusagen ‘ersatzgroßerltern’ für uns kinder): sesam straße gucken :o)

    es war toll!

  9. Muckeltiger sagt:

    Bei uns heisst das “Picknick im Dachgeschoss” (weil da der Tv steht).
    ;-)

  10. Dani sagt:

    Oh, Zufall…bei uns ist das auch der Mittwoch…hier heißt es aber Räubertag, weil gleichzeitig die Benimmregeln aufgehoben sind und oft auch auf dem Boden gegessen wird, so Picknicklike…
    Solche Rituale find ich noch die Schönsten, und ich bin sehr für ein bissel Flexibilität bei den Erziehungsgrundsätzen (könnte man ja auch den Situativen Ansatz nennen…)
    glg,dani

  11. Silberblut sagt:

    Bei uns gabs das früher fast immer. Also, als wir klein waren… Essen mit Captain Balu und Chip&Chap. Ja, vorm Fernseher. Und meine Eltern sind sogar Pädagogen…

    Nur wurde das Brot in Mümpfel geschnitten. Schnappbrot ist mir auch neu.

    Irgendwann als ich so 13/14 war hat mein Vater eines Abends eingeführt, dass wir alle zusammen in der Küche essen. Das hat allen viel besser gefallen…

    Also, auch wenn man als Kind vorm Fernseher Abendbrot isst, kann aus einem noch was werden!

  12. Frau ... äh ... Mutti sagt:

    Genau, Herr Skizzenblog, hier bei uns muffelt man Minkelscher. Auch gerne mal vor dem Fernseher.

    Frau Antonmann, bei uns ist auf dem Sofa essen nur den Siechen und Kranken und mir erlaubt. (weil ich das ja auch dauernd – so fühlt es sich an – bin) Und manchmal, zu besonderen Gelegenheiten, gibt es dort Apfel- oder Karottenstücke oder schüsselweise Popcorn. Einmal gab´s Pizza auf´m Sofa, damals mal, als der beste Vater meiner Kinder lange in den Staaten weilte und das Chaos in der Grünen Villa ausbrach. Aber das ist eine andere Geschichte, die mit dem Kauf eines neuen Sofas endete.

  13. alexandra sagt:

    ausnahmen bestätigen die regel und das sind so rituale, die sich die kinder ein leben lang merken und erfreut daran zurückdenken.
    und später im hohen alter, bringen Ihnen die lieben Kinder sicher jeden Mittwoch Schnittchen in den seniorenwohnsitz. oder so.

  14. diba sagt:

    Schnibbelschnitte.
    “Mama, der Tag war heute so sehr blöd, dass ich Schei*e sagen muss.
    Da hilft nur noch eine Schnibbelschnitte.”
    Manchmal ist das so.

  15. Garfieldine sagt:

    Ich behaupt mal:

    * Da die Kinder Obst bekommen (und auch essen!) erhalten sie eine gesündere Ernährung als 50% der restlichen Kinder in D’land

    * Da die Mutter danach entspannt ist, kommen die Kinder besser ins Bett und den Schlaf und haben weniger Stress

    * Ein Ritual ist auf jeden Fall besser als jede unbrechbare Regel

    * Jedem Kind tut es gut, die Chance zu haben (z.B. durch einen kleinen Bruder) wieder selber richtig Kind sein zu dürfen

    So, und wenn das alles noch nicht gegen das schlechte Gewissen hilft: Schauen Sie Ihre Kinder an und stellen Sie fest: Sie sind GROßARTIG

    Liebe Grüße!

  16. Eva sagt:

    Guten Tag – kennt denn niemand den Begriff “Reiterchen”? Ich habe sie geliebt. Samstag Abend. Frisch gebadet. Im Bademantel. Vor dem Fernseher. Aml liebsten: Schwarzbrot mit Nutella und Bananenscheiben. *hach*

  17. Webschaf sagt:

    Bei mir war das früher Fußball gucken mit Papa. Mit Kakao und Schnittchen. In der Halbzeitpause wurde gebaded und sich bettfertig gemacht und in der zweiten Halbzeit hab ich meine Bettdecke mit aufs Sofa genommen und bin meist lange vor Spielende eingeschlafen. War toll.

  18. cocolina sagt:

    jaaa, reiterchen auch hier (bzw in meiner kindheit)
    (mittleres nrw, rheinländisch-niederbergisch)

    und dieses vorgefertigte-schnitten-essen machen wir auch nach stressigen tage oder wenn wir sehr spät sind oder die kinder arg müde oder frisch gebadet.
    nur nicht vorm fännsäh (das sofa! der teppich! *hülf*), sondern normal in der küche am tisch. die brote sind kräftig dekoriert mit majotupfen und gurkenstücken zb, liegen aufm drehteller und fahren reichlich karussel ;-)))

    aber die worte ’schnappbrote’ und ‘räuberessen’ machen das ganze noch toller!
    darf ich stibitzen???

  19. Frau Antonmann sagt:

    Reiterchen sagt meine Mutter und die kommt aus Hessen.
    Der Ausdruck Schnappbrote ist hier eine innerfamiliäre Erfindung und darf gerne geschnappt werden.

  20. Herbstmittage « DüneSieben sagt:

    [...] ein wenig an Frau Antonmanns Schnappabendbrot, das auch bei uns zelebriert wird, oft sind es die Freitagabende, die so eingeläutet werden. Nur [...]

  21. Ilse aus München sagt:

    Klingt nach eins A Lebenskunst. Und Rituale sind sowieso was tolles.

  22. Frau … äh … Mutti » Archiv » Zwölf zum Zwölften* sagt:

    [...] aber Geburtstage sind eben auch Ausnahmetage, da gibt´s Comics zu Essen, so wie andere  Schnappbrote genießen. Kleine Ausnahmen, die hoffentlich im Kopf [...]

  23. Zeitlos sagt:

    Bei uns waren das Überrschungsbrote, die es auch meisens gab, wenn der Papa abends nicht da war: Die hat Mama dann fertig gemacht, in Viertel geschnitten und mit hübschen Gurken-Radiesschen-Möhren-Gesichtern verziert. Und weil es Überraschungsbrote waren, durfte ich natürlich auch nicht gucken, bis das Brot auf dem Wohnzimmertisch stand. Huch, war ds damals spannend! Muss ich unbedingt mal wieder machen!

  24. butterflylane » die kleinen rituale! sagt:

    [...] die schnappbrote. allein das wort. herrlich. danke dafür. und dahinter steckt: sandmännchen mit kleinen schnittchen – ausnahmsweise vor dem [...]

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