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Manchmal umschließe ich kleine Teile meines Ichs mit einer Mauer. Nicht, um nicht erreichbar zu sein, sondern aus dem Gefühl heraus, ich könnte bestimmte Dinge ohne diese Mauer nicht aushalten. Ob das tatsächlich so ist oder ob die Mauer die ganze Situation nicht eigentlich noch viel komplizierter macht, das sei einmal dahingestellt. Tatsache ist, es gibt diese Schutzmauern in mir. Die baue ich mit bewusster Sorgfalt auf, festige und erweitere sie notfalls und lasse alle Gedanken und Empfindungen fest eingeschlossen. Nicht wirklich gut, aber wenigstens ertragbar.
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Manchmal passieren Dinge, die eine Schutzmauer in mir mit einem Schlag zum Einstürzen bringen. Ein Satz, ein Ereignis, ein Tun. Wie ein umgekipptes Glas Apfelsaft ströhmt alles zuvor Eingeschlossene durch mein restliches Ich. Und ich muss mich bemühen, die Mauer irgendwie wieder hochzuziehen und gleichzeitig damit zurechtkommen, dass es eigentlich grad weder gut noch ertragbar ist.
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Manchmal ändern sich die Dinge und die Schutzmauer hat ihren Dienst getan und ich darf nicht vergessen, die vielen Steine auch wieder wegzuräumen, denn so eine Mauer auf Dauer ist nicht wirklich gut. Dann fühlt es sich merkwürdig an, wenn man den Gedanken wieder die Freiheit geben kann, weil man doch so lange mit so viel Einsatz alles gut beieinander gehalten hat. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass es dann auch endlich richtig gut wird.


5. November 2009 um 14:16
an mein herz, seelenfreundin. ganz doll an mein herz.
5. November 2009 um 14:25
Boar, bist du schnell:)
5. November 2009 um 14:52
und aus den Steinen kann man dann auch Brücken bauen zum Beispiel.
5. November 2009 um 17:46
Ich kann sie so gut verstehen! Manchmal habe ich das Gefühl, als halte mich nur die Mauer aufrecht und würde ich sie entfernen, würde ich zusammenbrechen.
Viele liebe Gedanken für sie,
Kaisa
5. November 2009 um 17:46
dazu ein ausstellungstip, ein großartiger zeichners: gerald scarfe in halle
5. November 2009 um 17:47
http://stiftung-moritzburg.de/ausstellungen/sonderausstellungen/einzelansicht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=76&tx_ttnews%5BbackPid%5D=22&cHash=5877f3a0ac
5. November 2009 um 18:56
*das ohne wenn und aber unterschreib*
5. November 2009 um 22:18
In Ergänzung zu Herrn Skizzenblog hier ein Kunstprojekt in Philadelphia (ich weiß leider nicht mehr, in welchem blog ich den Hinweis darauf fand): Liebesbriefe auf Mauern, alle entlang einer Bahnlinie zu ‘besichtigen’.
http://www.aloveletterforyou.com/?page_id=198
6. November 2009 um 20:49
Das könnte von mir stammen.
6. November 2009 um 20:49
Also inhaltlich. Meine Worte wären wahrscheinlich weniger treffend fomuliert gewesen.
8. November 2009 um 11:06
Oh wie gut kenne ich diese Mauer. Und wie versiert bin ich mittlerweile, sie schnell hochzuziehen. Dick und hoch und stark. Manchmal vergesse ich, dass sie da ist. Und wundere mich irgendwann, warum alles so dumpf ist. Dann beginne ich, mit bloßen Händen die Steine herauszureißen, bis meine Finger blutig sind. Und bin damit doppelt verletzbar. Aber trotzdem tut es gut, wieder tief durchatmen zu können.