Manchmal umschließe ich kleine Teile meines Ichs mit einer Mauer. Nicht, um nicht erreichbar zu sein, sondern aus dem Gefühl heraus, ich könnte bestimmte Dinge ohne diese Mauer nicht aushalten. Ob das tatsächlich so ist oder ob die Mauer die ganze Situation nicht eigentlich noch viel komplizierter macht, das sei einmal dahingestellt. Tatsache ist, es gibt diese Schutzmauern in mir. Die baue ich mit bewusster Sorgfalt auf, festige und erweitere sie notfalls und lasse alle Gedanken und Empfindungen fest eingeschlossen. Nicht wirklich gut, aber wenigstens ertragbar.

Manchmal passieren Dinge, die eine Schutzmauer in mir mit einem Schlag zum Einstürzen bringen. Ein Satz, ein Ereignis, ein Tun. Wie ein umgekipptes Glas Apfelsaft ströhmt alles zuvor Eingeschlossene durch mein restliches Ich. Und ich muss mich bemühen, die Mauer irgendwie wieder hochzuziehen und gleichzeitig damit zurechtkommen, dass es eigentlich grad weder gut noch ertragbar ist.

Manchmal ändern sich die Dinge und die Schutzmauer hat ihren Dienst getan und ich darf nicht vergessen, die vielen Steine auch wieder wegzuräumen, denn so eine Mauer auf Dauer ist nicht wirklich gut. Dann fühlt es sich merkwürdig an, wenn man den Gedanken wieder die Freiheit geben kann, weil man doch so lange mit so viel Einsatz alles gut beieinander gehalten hat. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass es dann auch endlich richtig gut wird.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht am Donnerstag, 5. November, 2009 um 14:11 und ist eingeordnet unter nursohalt. Sie können den Antworten zu diesem Beitrag mit RSS 2.0 Feed folgen. Sie können etwas sagen oder einen Trackback von ihrer Seite setzen.

11 Kommentare zu “…”

  1. ami sagt:

    an mein herz, seelenfreundin. ganz doll an mein herz.

  2. Frau Antonmann sagt:

    Boar, bist du schnell:)

  3. Gabriela sagt:

    und aus den Steinen kann man dann auch Brücken bauen zum Beispiel.

  4. Kaisa sagt:

    Ich kann sie so gut verstehen! Manchmal habe ich das Gefühl, als halte mich nur die Mauer aufrecht und würde ich sie entfernen, würde ich zusammenbrechen.
    Viele liebe Gedanken für sie,
    Kaisa

  5. skizzenblog sagt:

    dazu ein ausstellungstip, ein großartiger zeichners: gerald scarfe in halle

  6. skizzenblog sagt:

    http://stiftung-moritzburg.de/ausstellungen/sonderausstellungen/einzelansicht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=76&tx_ttnews%5BbackPid%5D=22&cHash=5877f3a0ac

  7. Haselmaus sagt:

    *das ohne wenn und aber unterschreib*

  8. Anne sagt:

    In Ergänzung zu Herrn Skizzenblog hier ein Kunstprojekt in Philadelphia (ich weiß leider nicht mehr, in welchem blog ich den Hinweis darauf fand): Liebesbriefe auf Mauern, alle entlang einer Bahnlinie zu ‘besichtigen’.
    http://www.aloveletterforyou.com/?page_id=198

  9. rebenwanderin sagt:

    Das könnte von mir stammen.

  10. rebenwanderin sagt:

    Also inhaltlich. Meine Worte wären wahrscheinlich weniger treffend fomuliert gewesen.

  11. Sunny11178 sagt:

    Oh wie gut kenne ich diese Mauer. Und wie versiert bin ich mittlerweile, sie schnell hochzuziehen. Dick und hoch und stark. Manchmal vergesse ich, dass sie da ist. Und wundere mich irgendwann, warum alles so dumpf ist. Dann beginne ich, mit bloßen Händen die Steine herauszureißen, bis meine Finger blutig sind. Und bin damit doppelt verletzbar. Aber trotzdem tut es gut, wieder tief durchatmen zu können.

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